Taminas Tagebuch

Tamina´s Tagebuch

Tamina zieht ein

Am 15.6. ist Tamina bei mir eingezogen. Tamina ist eine kleine, verschreckte, ängstliche Hündin. Sie verlässt ihre sichere Box nur um ihr Geschäft zu erledigen (Indoor versteht sich). Ab und zu ist sie so neugierig, dass sie schaut was meine anderen Hunde machen. Sobald aber ein Mensch in Sichtweite kommt, verschwindet sie wieder in ihre Box.

Drei Wochen später …..

Nach drei Wochen hat sie so viel Zutrauen zu mir gefaßt, daß sie sich auch außerhalb der Box bewegt wenn ich im Raum bin. Sie kommt auch zu mir wenn meine anderen Hunde bei mir sind. Sie schnüffelt und leckt meine Hände und Füße.

Und wir waren nun endlich zum ersten Mal draußen spazieren! Es ist toll. Sie orientiert sich sehr an meiner Großen. Wo Donna hingeht dort geht Tamina auch hin. Eigentlich bräuchte ich keine Schleppleine, aber da Tamina so ängstlich ist möchte ich nichts riskieren.

Was für ein Spass

Endlich Wiese und Weite erkunden. Sich im Gras wälzen und herumtoben mit anderen Hunden. Das ist die neue Welt von Tamina. Sie geht inzwischen ohne Schleppleine und kann sich so richtig austoben und bewegen. Wir gehen bei diesem heißen Wetter auch oft zum Fluss. Aber sie mag es nicht so gerne, naß zu werden. Aber es gibt so viele andere Dinge dort zu erkunden: alte Gehölzer, Steine, verfaulte Blätter, Sand und Steine. Und wenn sie durstig ist, Wasser ist im Überfluß vorhanden.

Tamina ist noch immer scheu, aber sie erholt sich sichtlich. Sie kann endlich schlafen und ist nicht mehr so hektisch wie in den ersten Wochen. Sie kommt wenn ich sie rufe und kann meine Nähe auch schon sehr gut ertragen.

Mutig, mutig

Nach Wochen ist es nun soweit, daß Tamina auch Leckerlies aus meiner Hand nimmt. Das ist ein echter Fortschritt. Sie läuft nicht mehr weg, wenn ich von mir aus in ihre Nähe komme.

Sie kann jetzt auch fremde Menschen um sich ertragen, solange sie ruhig sitzen. Menschen die sie schon öfter getroffen hat, dürfen sich auch schon in ihrer Gegenwart bewegen. Sie macht wirklich Fortschritte.

Gewissensfrage

Darf der Hund ins Bett? Ja oder nein?

Ich habe da einen klaren Standpunkt – nein. Hunde haben im Bett nichts verloren. Und in meinem Fall – ich habe 7 Katzen, die sich schon bei mir im Bett tummeln. Es wird also außerordentlich eng für mich.

Darf Tamina ins Bett? Ja.

Hier muß ich einfach meinen Standpunkt überdenken. Tamina kommt zu mir ins Bett (bei den Füßen). Es ist nicht so, daß sie sich dort hinlegt und schläft, sie kommt mich „besuchen“. Schaut nach, ob ich schon wach bin. Dann geht sie wieder. Das ist ein weiterer Fortschritt auf dem Weg Vertrauen zu Menschen zu fassen, und so lasse ich sie eben.

Monate später

Tamina hat nun soviel Vertrauen in sich und den Menschen, daß sie auch ohne andauerendes Bellen in der Nähe Fremder sein kann.

Gut Ding braucht Weile

und viel Geduld. Tamina ist ein fröhliches, lebhaftes Wesen. Und trotz ihrer Angst vor Menschen beginnt sie richtig Spaß zu haben. Sie spielt und läuft herum und genießt die Ruhe.

Ihre Angst hat sich nun soweit gelegt, daß ich einfach an ihr vorbeigehen kann, ohne daß sie gleich aufspringt und panisch davon läuft.

Silvester habe ich mit meinen drei Hunden am Abend am Boden sitzend verbracht und Tamina lag neben mir. Ich durfte sie berühren und sie hat nur geschaut und dann weiter geschlafen.

Wenn du ein Schiff bauen willst ……

Wenn du ein Schiff bauen willst, so trommle nicht die Männer zusammen, um Holz zu beschaffen, Werkzeuge vorzubereiten, Aufgaben zu verteilen und die Arbeit einzuteilen, sondern lehre die Menschen, die Sehnsucht nach dem weiten, endlosen Meer.

(Antoine de Saint-Exupéry)

Frei nach diesem Motto versuche ich in Tamina den Wunsch nach mehr zu wecken. Und es scheint zu funktionieren. Tamina sucht Körperkontakt. Aber ihre Angst steht ihr manchmal noch im Weg. Also macht sie Umwege. Sie liegt auf der Couch und wenn ich mich dazu setzte läuft sie nicht mehr weg. Ich darf sogar schon meine Hand neben sie legen. Das ist ein wirklich großer Schritt und ein Zeichen von sehr viel Vertrauen in mich.

Die kleinen Erfolge ……

Es sind immer die winzig kleinen Dinge im Leben die es gilt zu erreichen. Und jeder noch so kleine Erfolg führt letztendlich zum Ziel. Auch wenn es manchmal sehr lange dauert. Eines hab ich schon lange begriffen: mit Tieren zu arbeiten, erfordert unendlich viel Geduld und eben auch Zeit geben. Ungeduld führt unweigerlich zum Misserfolg.

Tamina zeigt eben nur diese winzigen kleinen Veränderungen. Und ich habe schon lange nicht mehr berichtet, aber diesmal ist es einfach zu schön. Tamina freut sich immer mich zu sehen. Sie ist gerne in meiner Nähe. Sie sucht meine Nähe. Wo immer ich hingehe, geht sie mit. Nicht unangenehm, sondern neugierig wo ich wohl hingehe und was ich dort tue. Das geht jetzt schon soweit, dass sie mit dabei ist wenn Besuch kommt. Sie hält zwar Abstand zu Fremden, aber sie ist mit dabei.

Wo ich es am deutlichsten erkennen kann, ist wenn ich am Computer arbeite. Alle Hunde liegen rund um mich herum. Tamina am liebsten unter dem Schreibtisch, wenn der Platz nicht gerade von Mia besetzt ist.

4 Jahre später

4 Jahre sind vergangen seit Tamina bei mir eingezogen ist. In diesen Jahren ist viel passiert. Sie hat dazu gelernt. Sie weiß nun, dass nicht alle Menschen eine Bedrohung sind. Es dauert nun nicht mehr Monate bis sie sich mit einem Fremden anfreundet, sondern nur mehr ein paar wenige Besuche. Wir können auch schon gemeinsam zu Freunden zu Besuch kommen.

Sie hat gelernt zu kommen, wenn ich sie rufe. Und das eigentlich von ganz alleine. Ich habe das nicht trainiert im klassischen Sinne. Sie hat es sich von den anderen Hunden abgeschaut und kam dann auch selber wenn ich mal gerufen habe.

Aber, was mich besonders freut, ist die Tatsache, dass sie begonnen hat auch zu mir zu kommen wenn sie meine Unterstützung braucht. Wenn sie unsicher oder überfordert ist, mit einer Situation, anderen Hunden oder Menschen, dann kommt sie zu mir und „bittet“ mich quasi um Unterstützung. Sie bleibt dann in meiner Nähe und lässt mich die Situation checken und entschärfen. Mehr Vertrauensbeweis kann ein Hund seinem Menschen gar nicht zukommen lassen.

Heute kann ich sagen, sie ist übern Berg. Sie hat endlich einen emotionalen Zustand erreicht, der ihr ermöglicht mehr und mehr eigene Entscheidungen zu treffen. Sie kann schwierigere Situationen versuchen selbst zu lösen oder sich meinen Schutz holen. Ihr Leben wird bereichert und sie gewinnt dadurch auch mehr Selbstbewusstsein. Das wiederum führt zu mehr Sicherheit.

AUTOR: Patricia Bisztron

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