Gewitterangst

Es stürmt und kracht! Wenn es draußen gewittert, leiden viele Hunde große Angst. Sie sind mit dem plötzlichen Lärm, dem tosenden Wind, den Lichtblitzen, aber auch mit der elektrischen Spannung in der Luft überfordert, und reagieren häufig mit Flucht und Verstecken. Hier finden Sie einige Tipps, wie Sie bei Gewitterangst und ähnlichen Problemen am besten handeln. Je nach Stärke der Angst (vom leichten Hecheln bis zu Dauerbellen, Erbrechen, Urinieren, etc.) können, müssen aber nicht alle Tipps Anwendung finden.

  • Bleiben Sie selbst ruhig. Panik und Gelassenheit sind gleichermaßen ansteckend. Wählen Sie für sich eine entspannte Beschäftigung: Lesen, Fernsehen, Schreiben, Schlafen, … Vermeiden Sie jede Hektik, da schnelle Bewegungen den Hund noch mehr erregen.
  • Füttern Sie das Gewitter schön. Sobald es kracht, holen Sie die Knabbersachen raus. Keine Sorge, der Hund wird damit nicht für seine Unsicherheit belohnt. Er wird vielmehr aus seinem Jammertal herausgeholt, oder – bei klugem Einsatz – gar nicht erst zum Jammern kommen. Holen Sie tolle Sachen raus. Sie müssen immerhin gegen ein Gewitter antreten. Völlig ungesunder Tipp meiner Hündin Sophie: Butterkekse.
  • Packen Sie den Hund ins Auto. Viele Hunde kommen im Auto gut zur Ruhe. Unter anderem auch, weil Autos wie Faradaysche Käfige wirken. Vor einem Gewitter ist die Luft voller Elektrizität. Darum haben Hunde oft auch schon Stunden VOR einem Gewitter Angst. Autos sind Metallkäfige, und halten diese Spannung außen vor.
  • Ermöglichen Sie Ihrem Hund die Flucht auf einen überdachten Platz, zum Beispiel in eine Hausbox, unter den Tisch, das Bett, etc. Bei Hunden ist das Bedürfnis nach behüteten Rückzugsräumen genetisch fixiert. Sie entspannen sich dort eher. Flucht ist eine sehr gute Lösung für einen Konflikt, die wir unseren Hunden nicht nehmen sollten. In vielen anderen Fällen freuen wir uns schließlich, wenn unsere Hunde „etwas aus dem Weg gehen“, zum Beispiel wenn sie von einem Kind oder einem anderen Hund bedrängt werden.
  • Gewöhnen Sie Ihren Hund generell an Geräusche. Geräusch-CD funktionieren hier sehr gut. Diese werden anfangs sehr leise gestellt, so leise, dass der Hund NICHT mit Angst reagiert. Wenn Sie die Geräusch-CD nach einer Weile Übung schließlich anmachen, und Ihr Hund nur gelangweilt mit den Augen rollt, ist es Zeit, die Lautstärke zu erhöhen. Gehen Sie langsam vor, und vergessen Sie nicht, den Player-Standort und die Track-Reihenfolge zu verändern. Hunde sind clever! Sie lernen sehr schnell, dass das leise Donnern aus dem Player im Wohnzimmer überhaupt nicht schlimm ist.
  • Entspannungshilfen wie DAP (Dog Appeasing Pheromone), Relaxan, Lavendel, Trommel-Trance, Rescue-Tropfen und ähnliches können sehr hilfreich sein. Klug eingesetzt, ist die Konditionierte Entspannung hervorragend. Hierbei lernt der Hund sich auf ein Signal hin zu entspannen. Es ist kein Abbruchsignal. Das Entspannungssignal funktioniert ähnlich wie bei Kindern die Einschlafmusik. Es kann ein Wort, ein Geräusch, eine Musik, ein Halstuch, ein Handzeichen, etc. sein. Wie die Konditionierte Entspannung aufgebaut wird, lernen Sie in einer guten Hundeschule.
  • Schließen Sie alle Fenster und ggf. Rolläden. Sperren Sie die Reize aus. Sorgen Sie für wenig Hall, und machen Sie ein Konkurrenz-Geräusch an, etwa ein Radio oder den Fernseher.
  • Ignorieren Sie die Angst Ihres Hundes nicht. Dieser Hinweis wird leider nur noch allzu häufig gegeben. Es ist zwar nicht sinnvoll, einen Hund in seiner Panik zu Trösten und zu Bemitleiden. Genausowenig sollten Sie aber Ihren Hund, der sich fürchtet, mit seiner Angst alleine lassen. Geben Sie ihm Halt, vermitteln Sie ihm Sicherheit. Die Beziehung zu Ihrem Hund ist am wichtigsten. Wenn Sie ihm sagen: „Deine Angst ist dein Problem“, ist das einer guten Beziehung nicht gerade zuträglich.
  • Geben Sie keine Medikamente, die hauptsächlich Acepromazinmaleat enthalten, beispielsweise Sedalin oder Vetranquil. Acepromazin ist sehr umstritten, und steht im Verdacht, nur die die Muskeln zu entspannen, den Kopf aber klar zu lassen. Der Hund wäre also gefangen im Körper.
  • Checken Sie die Gesundheit Ihres Hundes. Vor allem bei Hunden, die plötzlich geräuschsensibilisiert reagieren, kann eine körperliche Ursache zu Grunde liegen. Schmerzen sind angstfördernd, ebenso wie hormonelle Probleme. Hündinnen in der Läufigkeit oder Scheinträchtigkeit sind manchmal betroffen, ebenso wie Hunde mit Erkrankungen an der Schilddrüse.
  • Bei sehr sehr sehr starker Angst ist die Konsultation eines Tierarztes für Verhaltenstherapie sinnvoll. Dieser ist – im Gegensatz zu einem normalen Tierarzt – geschult in Sachen Psychopharmaka, und kann hier unterstützend eingreifen. Psychopharmaka leiden in Deutschland unter einem schlechten Ruf. Doch jedes Training hat Grenzen, und in extrem speziellen Fällen ist es richtig, mit einem leidenden Hund hier neue Wege zu begehen.
  • Stärken Sie das Selbstbewusstsein Ihres Hundes. Hunde, die in sich ruhen, können besser umgehen mit stressigen Situationen. Das Selbstbewusstsein lässt sich in vielerlei Hinsicht stärken, zum Beispiel durch freundliches Training, Erlernen von Tricks, Gerätearbeit, Lösen von Konflikten, eigenständigem Handeln, Nasenarbeit, Ruhe und Geborgenheit, mentalem Stimula, zahlreichen positiven Erlebnissen, etc.

copyright Autorin: Sonja Hoegen

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Ein Kommentar zu “Gewitterangst

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