Die Sache mit den Extremen….

In der heutigen Zeit gehen viele Dinge immer mehr ins Extreme über! In meiner Kindheit sind Menschen noch im Schwimmbad vom 5 oder 10 m -Brett gesprungen – heute springen Menschen hunderte von Metern in einen nicht unbedingt mit Wasser gefüllten Abgrund – man nennt das Bungee… Zugegeben, ich wollte das auch mal machen – aber extrem ist es!!! 😉

Auch im Bereich der Hundeerziehung findet man in der heutigen Zeit immer und immer mehr Extreme! Die einen schwören darauf, dass die Einzige Möglichkeit, einen Hund zu erziehen, der Weg über ständige und permanente Futtergabe ist, die anderen sind stolz drauf, dass ihr Hund noch nie ein Leckerchen bekommen hat und trotzdem alles für sie tut.

Schon hier stellt sich mir die Frage, wo denn der Sinn bleibt? Weder möchte ich mit einer Tonne von Hund durch die Gegend laufen – mal ganz abgesehen davon, dass auch der verfressenste Hund ja irgendwann mal satt ist – , noch würde ich persönlich je auf die Idee kommen, für irgendjemanden auf dieser Welt ständig alles zu tun, was dieser Jemand möchte, nur um ihm zu gefallen! Da frag ich mich – wieso sollte mein doch eigentlich recht intelligenter Hund so blöd sein, tagtäglich x-fach etwas zu tun, nur um mir zu gefallen, wenn er ja doch recht bald merkt, dass für ihn rein gar nichts dabei rausspringt?

Dann gibt es die Menschen, die auf die Pfeife schwören und der Meinung sind nur diese ist das einzig wahre Mittel der Wahl. Zu oft habe ich schon im Wald feststellen müssen, dass dann leider gar nichts geht, wenn die Pfeife mal verloren oder gar kaputt geht…

Wieder andere schwören auf knackende Metallgeräusche und arbeiten in jeglicher Situation nur noch damit! Nach einigen Recherchen habe ich festgestellt, dass auch diese Hilfsmittel definitiv erst nach der Domestizierung des Hundes auf den Markt gekommen sind. Wiederum eine für mich recht spannende Frage: Wie haben die Menschen vorher ihre Hunde erzogen?

Auch die Sache mit der Kommunikation mit dem Hund an sich, läßt mich staunen – erst vor kurzem hörte ich davon, dass man heutzutage nicht mehr mit Sichtzeichen arbeitet – das sei absolut überholt! Mittlerweile würde man ausschließlich über den Einsatz der Stimme arbeiten.

Auch hier gibt es wieder eine andere Seite – diejenigen, die ausschließlich über Körpersprache mit dem Hund arbeiten und nicht mal ihre Stimme einsetzen!

Meiner Erfahrung nach sind Extreme nie gut! Das bezieht sich nicht nur auf den Umgang mit unseren Hunden!

Spannend ist, dass heutzutage sehr viele Methoden als “die Einzig richtige” verbreitet werden. Und – fast alle werden als “gewaltfrei und artgerecht” propagiert!

Wenn wir uns nun mal wieder ins Gedächtnis rufen, wie Hunde eigentlich miteinander umgehen, wird dann auch recht schnell klar, dass Hunde beispielsweise zwar sehr viel über ihre Körpersprache kommunizieren, gar keine Frage!

Aber zum Einen kommunizieren sie NICHT ausschließlich über Körpersprache, sondern vor allem in freundlich gestimmten Situationen auch über freundliche, hohe Lautäußerungen, oder auch in angespannten Situationen über tiefe Laute wie zum Beispiel ein Knurren BEVOR sie bedrohlich aufeinander zugehen. Und zum anderen setzen Hunde untereinander ihre Körpersprache durchaus auch als Bedrohung ein! Und wenn ein Hund den anderen ständig “im Auge hat” , ist auch das eine Form der Bedrohung – und auf Dauer gesehen eine psychische Folter! Dafür braucht es nichtmal ein Knurren, welches eben dem “nach vorne gehen” normalerweise vorausgeht, sondern es reicht oft schon ein kurzer Blick.

Wie und wieso soll ich als Mensch nun plötzlich die Lautäußerungen, die unter Hunden ja nunmal auch stattfinden, komplett außen vor lassen? Oder warum soll ich nur über meine Stimme arbeiten und die Körpersprache außen vorlassen? Oder nur über die Pfeife oder den Klicker? Damit der Hund nicht merkt, wenn ich sauer auf ihn bin, weil er Mist gebaut hat? Oder nur über Leckerchen, nur über Spielzeug, oder warum soll er das alles nur tun, um mir zu gefallen?

Ich möchte, dass meine Hunde merken, wenn ich sauer auf sie bin, weil sie mal wirklich Mist gebaut haben! (Hier möchte ich allerdings anmerken, dass es nach meinen Erfahrungen meist wir Menschen sind, die es eben noch nicht geschafft haben, den Hunden verständlich genug zu erklären, dass wir das als “Mist bauen” sehen und lieber ein anderes Verhalten sehen würden ) Genau so möchte ich, dass sie merken, wenn ich stolz auf sie bin, weil sie etwas gut gemacht haben!

Und für mich ist es mal wieder die goldene Mitte, die das Gewinnerlos zieht! Ich bin mir sehr wohl darüber bewußt, dass ich meine Hunde zum Beispiel nur mit meiner Körpersprache psychisch völlig “fertig machen” kann, wenn ich diese zu extrem, zu oft, oder auch zu unverständlich für die Hunde einsetze! Genauso kann ich Hunde total nervös machen, wenn ich sie ständig und nur noch für jede noch so winzige Kleinigkeit bestätige – auch nicht gut für die Psyche!

Gewalt hat für mich definitiv nicht nur mit körperlichen Einwirkungen zu tun! Auch psychische Gewalt ist eine Form von Gewalt, die ich absolut ablehne! Ich denke, wir Menschen sollten uns immer wieder kritisch mit allen aufkeimenden Ideen auseinandersetzen und wirklich abwägen, was gut für uns und unseren Hund ist und was eben nicht!

Und Extreme sind selten das Non-Plus-Ultra!!!

copyright: Dena Rau

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