Neue Rassen braucht das Land?

Altehrwürdige Züchter raufen sich die Haare: Merkwürdige „Rassen“ sind auf dem Vormarsch.

Designerhunde werden sie herablassend genannt, in Anspielung auf den Vorwurf, man würde hier rein nach modischen, optischen Trends züchten. Ganz so, als ob gerade jene altehrwürdigen Züchter sich nicht schon seit Jahrzehnten diesen Vorwurfs schuldig machten.

Schauen wir uns den Deutschen Schäferhund an: Vorne Hund, hinten Frosch. Die Französische Bulldogge: der Zusatz „frei-atmend“ ist hier Sonderausstattung. Der Cavalier KC Spaniel, dessen Gehirn zu groß für den Schädel ist.

Es muss sich was tun, denn die Kritik wird immer stärker, und kommt nicht mehr nur von außen. Da war der Dortmunder Apell, bei welchem sich Tierärzte, Tierschutz, Züchter und etliche Privatleute für eine Wende in der Hundezucht aussprechen. In England, dem Hundeland schlechthin, gab es 2009 den Supergau: BBC (etwa das britische ARD) nahm Anstoß an der Zurschaustellung von offensichtlich kranken Hunden auf Crufts, der weltweit größten Hundeshow. BBC bat, Rassen wie den Pekingese, Chowchow, Basset und Dt. Schäferhund von der Ausstellung auszuschließen. Die Veranstalter weigerten sich. Die BBC entschloss sich, Crufts nicht mehr im Fernsehen zu übertragen. Das war etwa so, als wenn RTL sich entschlösse, die Übertragung der Formel 1 abzubrechen.

Seit Jahrzehnten werden bei zahlreichen Rassen die herausragenden Merkmale weiter hervorgezüchtet: Bei Mops, Pekingese, Bulldogge und Co. das Kindchenschema, beim Neufundländer die tapsige Massivität, beim Dackel der lange Rücken, beim Chihuahua die großen, herausstehenden Augen. Zahnfehlstellungen, Probleme am Bewegungsapparat und Lidschäden wurden für die „Schönheit“ billigend in Kauf genommen.

Das sind nur die offensichtlichsten verheerenden Auswüchse. Das Kapitel zu den Themen Verhaltensauffälligkeiten und Krankheiten wie Epilepsie wäre zu umfangreich.

Aus den USA kam schließlich die Idee, die Genpools zu erweitern und – amerikanisch ökonomisch eben – gleich noch ein paar wünschenswerte Eigenschaften hinzuzufügen. Antiallergenes Fell und Haut, kaum Jagdmotivation, gesundheitlich robust, bitte.

KETZEREI! schreien die Zuchtrichter, bei denen Rasse-Richtlinien wie „Tüpfelung, jedoch keine Schimmelung am Gesicht, an den Pfoten, an den Vorderläufen bis höchstens zu den Ellenbogen und an den Hinterläufen bis höchstens zu den Sprunggelenken ist zulässig. Schimmelung, Tüpfelung und Sprenkelung an jedem anderen Körperteil ist unerwünscht“ Herzensfreude hervorruft.

Wir haben unendlich viele Jagdhunderassen. Doch wie viele Hunde werden noch jagdlich geführt? Wie viele Hütehunde sieht man heute noch bei den Schafen, und wann durfte ein Wachhund zum letzten Mal seinem Bedürfniss nachgeben und nach Lust und Laune auf dem Bauernhof bellen?

Es ist sinnvoll, sich zu fragen, warum alte Rassen mit starken genetischen Dispositionen plötzlich als Allroundhund herhalten müssen, aber nicht mehr jagen, schützen oder hüten sollen. Nur wenige neue anerkannte Rassen wie beispielsweise der Kromfohrländer werden ausschließlich für den schwierigsten Job der Welt gezüchtet: Familienhund.

Natürlich sind auch diese neuen Rassen nicht perfekt. Das Anliegen jedoch ist im besten Fall eines Pioniers würdig.

  • Antiallergene(s) Fell / Haut
  • Robuste Gesundheit
  • Mäßige „Triebe“ in jeder Hinsicht
  • Nervenstark

So kommen die neuen, bewussten Keuzungen zustande, wie Labradoodle (Labrador und Pudel / Bichon), Goldendoodle (Golden Retriever und Pudel / Bichon) und Puggle (Mops und Beagle). Erst wenn die Ergebnisse (sprich: Welpen) über mehrere Generationen hinweg gleich sind, gilt eine Rasse als durchgezüchtet. Denn wenn man einen Mops mit einem Beagle kreutzt, wünscht man sich einen frei atmenden, robusten Nichtjäger. Genauso kann man aber der Mendelschen Vererbungslehre zufolge einen röchelnden Zwerg bekommen, der jedem Hasen hinterherhechelt. Es gilt also, abzuwarten.

Bis dahin hier ein Überblick über die „neuen Rassen“, der keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt, da die Kreuzungslust blüht. Auch aufgeführt sind einige Rückzüchtungen, die nicht unbedingt moderne Anforderungen erfüllen sollen, sondern eher geschichtlichen Überlieferungen nachempfunden werden. Ebenso dabei: Kreuzungen, deren Sinn sich auch auf den zweiten Blick nicht erschließt, lässt man kommerzielle Gründe außer Acht.

Labradoodle (Labrador Retriever + Pudel / Bichon)

Goldendoodle (Golden Retriever + Pudel / Bichon)

Puggle oder Retro-Mops (Mops + Beagle oder andere)

Aussky (Australian Shepherd +  Siberian Husky)

Aussiedor (Australien Shepherd + Labrador Retriever)

Boxador (Boxer + Labrador Retriever)

Doxiepoo oder Doodle (Dackel + Pudel / Bichon)

Cockapoo (Cocker Spaniel + Pudel / Bichon)

Maltipoo oder Moodle (Malteser + Pudel / Bichon)

Schnoodle (Schnauzer + Pudel / Bichon)

Buggle oder Beabull (Beagle + English Bulldog)

Renascence Bulldog oder Ironbull (English Bulldog + ??)

Germanischer Bärenhund (Bernhardiner + verschiedene große Hirten- und Hütehundrassen??)

Antik Dogge (Cane Corso + Dogo Canario)

Shiloh Shepherd (Alaskan Malamute + Dt. Schäferhund)

Elo (Chow chow + Bobtail + Eurasier + Spitz + Pekingese + Bobtail + …)

Great Scott (Deutsche Dogge + Scottish Terrier)

Jack Shit (Jack Russell Terrier + Shih Tzu)

Jack in the box (Jack Russell Terrier + Boxer)

copyright Autorin: Sonja Hoegen, aus dem dogcom Newsletter Mrz 2010

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