Ein Rudel bekommt zweibeinigen Zuwachs

Was hat man zu beachten, wenn sich Nachwuchs ankündigt und bereits ein Fellkind in der Familie ist? Ich machte mir Gedanken und wollte, dass unser Hund sich nicht benachteiligt fühlt, wenn unser Kind auf die Welt kommt.

Hunde sind höchst soziale Lebewesen und kooperativ und lieben die Gesellschaft aufgrund ihres sozialen Verhaltens. Aufgrund dessen waren meine Sorgen eigentlich unberechtigt.

Mein Hund Sinead war damals fünf Jahre alt, als ich erfuhr, dass wir Nachwuchs bekommen. Sinead war mit neun Wochen bei uns eingezogen. Von ihrer fünften Lebenswoche an hatte ich sie fast täglich besucht. Sie wsinead-kopfar eine Mischung aus Vater: Border Collie und Mutter: Schäferhund-Collie-Mix. Sinead war gut sozialisiert, sie hatte vor nichts Angst und war Menschen gegenüber sehr freundlich. Andere Hunde fand sie uninteressant bis nervig. Mit Babys und Kleinkindern hatte sie allerdings überhaupt keine Erfahrungen sammeln können. Das beunruhigte mich keinesfalls, denn ich kannte sie sehr gut.

Als dann im Jahr 2000 unser Sohn geboren wurde, war für mich wichtig, Sinead in alle möglichen Situationen zu integrieren und zu involvieren. Der Tagesablauf  mit Baby und Hund gestaltete sich sehr praktisch. Beim Spaziergang war sie immer dabei, oder auch beim Spielen mit unserem Sohn.

Sinead hatte durch unser Baby definitiv mehr Aufmerksamkeit als vorher, da ich den ganzen Tag zu Hause war und sie mit ins Geschehen eingebunden habe. Sie hat die Geburt meines Sohnes und seine Anwesenheit positiv verknüpft. Irgendwann fing unser Sohn an zu krabbeln. Jetzt war ich an der Reihe, meinem Kind das richtige Verhalten unserem Hund gegenüber zu vermitteln. Kinder lernen sehr schnell. Ich erinnere mich noch, wie mein Sohn frontal auf Sinead zukrabbelte und versuchte, mit seiner kleinen Hand ins Fell zu greifen. „Das tut einem Hund weh“, sagte ich zu meinem Sohn, nahm seine Hand und streichelte Sinead ganz vorsichtig. „So musst du Sinead streicheln, zärlich und liebevoll.“ Von nun an wusste er, dass Hunde gestreichelt und nicht ins Fell gekniffen werden wollen, da das Schmerzen verursacht.

Eltern haben eine große Verantwortung. Früh sollten sie ihrem Kind beibringen, den Hund wie einen Hund zu behandeln und nicht wie ein Kuscheltier.

Spontan fällt mir dazu eine Anekdote aus meiner Kindheit ein. Beim Versuch den Hund einer Freundin beim Fressen zu streicheln, erfuhr ich die entsprechende Reaktion, nämlich Ressourcenverteidigung Futter: Der Hund schnappte nach mir.  Damals war das Wissen um die Körpersprache und Kommunikation des Hundes sehr gering. Man wusste wohl, dass ein fressender oder schlafender Hund nicht gestört werden sollte. Als Kind hatte ich dieses Wissen nicht. Aus der Reaktion des Hundes habe ich gelernt, niemals einen fressenden Hund zu streicheln. Doch so weit brauchen wir es nicht kommen zu lassen.

Heute ist das Wissen über die Körpersprache und Kommunikation des Hundes sehr groß. Eltern können sich dieses Wissen zu Nutze machen und ihren Nachwuchs darauf vorbereiten mit einem Hund zusammen zu leben. Dazu ist es ratsam sich die Basics der Körpersprache von Hunden anzueignen anhand von entsprechender Fachliteratur. Ein sehr schönes Buch, welches ich sehr empfehlen kann ist „Calming Signals (Beruhigungs- und Beschwichtigungssignale)“ von Turid Rugaas.

Die meisten Beißunfälle ereignen sich übrigens, wenn Kinder unbeaufsichtigt mit Hunden allein gelassen werden. Viele Kinder sind zu ungestüm, gehen frontal auf den Hund zu, ziehen an der Rute. Manche Kinder setzen sich einfach auf den Hund drauf. Hunde sind Lebewesen, die genau wie wir Menschen Gefühle, Emotionen und Schmerzen erfahren können. Das sollten Eltern ihren Kindern weitergeben und sie auf ein Leben miteinander vorbereiten.

Gastautorin: Bettina Küster, Hundepsychologin nTR

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