Spieß mich auf – Selbstversuch mit einem Stachelhalsband

Artikel und Copyright: Yvette Van Veen, Tierverhaltensberaterin in Kanada und Kolumnistin für den Toronto Star
Originalartikel auf www.awesomedogs.ca und http://awesomedogs.wordpress.com/

Autorisierte Übersetzung: Sonja Hoegen

Spieß mich auf – Selbstversuch mit einem Stachelhalsband

Während einer kürzlich statt findenden Facebook-Diskussion wurde darauf hingwiesen, dass ich nie ein Stachelhalsband getragen hätte. Und somit hätte ich keine Ahnung, ob ein Stachelhalsband (oder eine Koralle) Schmerzen verursacht. Mit diesem Schlag auf die Finger schien es mir die einzige Lösung, offen zu sein, und einen Stachelwürger selbst anzuziehen.

Für jene, die das Produkt nicht kennen: Es ist in verschiedenen Ausführungen zu haben. Manche sehen schrecklich aus, mit Stacheln und “Zähnen” aus Metall. Neuere Modelle verstecken die “Zähne” des Stachelhalsbandes unter einem Gurt aus Leder, Plastik oder Stoff. Ich benutze das Word “Zähne” sehr bewusst, da die Befürworter dieser Produkte behaupten, die Stacheln eines Stachelhalsbandes seien wie die Zähne der Mutterhündin wenn sie einen sich schlecht benehmenden Welpen korrigiert.

Ich weiß, wie ein Stachelhalsband richtig sitzt, und ich weiß, wie es eingesetzt wird. Ich bin eine Überläuferin, das heißt, ich habe früher als Trainerin körperliche Korrekturen und Disziplinierungen eingesetzt. Jedoch habe ich niemals ein Stachelhalsband um meinen eigenen Hals gelegt, und ich kann nicht behaupten, ich wüsste, wie es sich anfühlt. Es ist an der Zeit.

Das ganze sollte nicht wissentschaftlich sein. Vielmehr wollte ich meine voreingenommene Meinung herausfordern. Wie fühlt sich ein Stachler an? Verursacht er Schmerzen? Wenn Produkte “funktionieren”, tun sie das aus einem Grund. Welchem Grund?

Ich began damit, den Stachler um meinen Unterarm zu legen. Erstaunlicherweise tat das nicht weh. Es drückte. Es sah so aus, als würde ich mit mit meinen vorrigen Aussagen total blamieren. Das gab mir den Zuspruch, weiterzumachen: den Stachler um meinen Hals zu legen.

Vorsichtig paste ich die Anzahl der Kettenglieder so an, dass der Stachler hoch und fest, aber nicht eng an meinem Nacken lag. Sanft zog ich an dem Ring, an welchem die Leine hing. Wiederum war ich überrascht, dass die Stacheln sich nicht in meinen Hals gruben, und der Schmerz was sehr gering.

Mein Ehemann kam herein, rollte mit den Augen über noch so ein “Experiment”. Scherzhaft griff er nach der Kette. Nur seine Finger nutzend, zog er: “Du kommst mit mir!”

Da “biss” mich das Stachelhalsband. Als das Metall des Stachlers auf meine Wirbelsäule drückte, entstand ein scharfer, starker Schmerz. Ich schrie – ja, schrie – er solle aufhören. Mein Mann stotterte: “Ich habe nicht stark gezogen. Es war gar nicht stark. Ich habe nur meine Finger benutzt.”

Einer meiner Freunde wies darauf hin, dass Hunde bemuskelte Hälse hätten, und auf allen Vieren laufen. Ich kann respektieren, dass das Ziehen meines Mannes am Stachler nicht das gleiche ist wie wenn ein Hund an der Seite seines Besitzers läuft. Also Kopf runter (ich ging tatsächlich auf alle Viere) wurde ich angeleint. Mein Sohn “führte” mich durch das Haus. Er nutzte nur seine FINGERSPITZEN.

Hier “biss” mich der Stachler das zweite Mal. Es war nicht schmerzhaft. Ich denke, es war schlimmer als das. Der Druck von den gleichmäßig verteilten Kettenglieder verteilte sich nicht gleichmäßig, nicht so wie an meinem Arm. Auf meinen Händen und Knien laufen, stach der Stachler nicht. Er drückte auf meine Kehle, eine Stelle, die wenig schützende Muskeln hat. Wenn ich die Vorderseite des Halses meines Hunde überprüfe, wird schnell klar, dass der muskulöse Nacken und die Schultern die Halsvorderseite ebenfalls nicht schützen.

Als ich über den Boden kroch, und der Stachler sich in meine Luftröhre grub, hatte ich vor allem anderen das Bedürfnis, zurück zu springen, und den Druck wegzunehmen. Es war nicht das Gefühl, erdrosselt zu werden, es war die knebelnde, gurgelnde Unfähigkeit zu schlucken. Mein Magen hüpfte und ich war panisch. In einem instinktiven Bedürfnis nach Selbstschutz krächzte ich: “Lass los!” Mit zitternden Händen griff ich sofort nach den Kettengliedern, versuchte, sie von meinem Hals wegzubekommen. Ich habe den Schmerz des Stachlers auf meinen Knochen und auf meiner Luftröhre gefühlt, und zumindest für mich war der Druck auf die Luftröhre viel schlimmer.

Ich began diesen Prozess mit offenen Augen. Einige der besten Lektionen in meinem Leben kamen durch andere Menschen, die meine Meinung herausgefordert haben. Ich respektiere es, wenn Leute mir etwas entgegen setzen, und mich fordern. Ich möchte wissen, warum ein Produkt “funktioniert”.

Dieses kleine Experiment mag als Kritik an Stachelhalsbändern begonnen haben; nun wundere ich mich, wie wir den Hals eines Hundes betrachten. Wir sehen die Muskeln und die Kraft. Unter ihrem Kinn ist die sanfte Unterseite, Knorpel, Drüsen, Knochen.

Stachler sind nicht die einzigen Halsbänder, die oben am Hundehals angelegt werden. Oft sagt man den Besitzern, sie sollen darauf achten, dass das Halsband möglichst hoch anliegt. Warum? Man sagt ihnen, dies würde den Einfluss maximieren – und die Effizienz des Halsbandes. Manche Halsbänder sind so gestaltet, dass sie nicht herabrutschen können auf den Nacken – dem muskulösen Halsteil. Ich kann erkennen, wie das “funktioniert”. Es tut wie die Hölle weh, wenn ein Halsband auf das empfindliche Gewebe drückt. Forschungen zeigen, dass Druck auf den Hundehals auch auf den Sehnerv drückt, und damit möglicherweise Augenprobleme verursacht (http://www.jaaha.org/content/42/3/207.short). Dies sind nicht nur die Bedenken von moralischen “Gut-Menschen”. Tierärztliche Vereiningungen empfehlen Brustgeschirre aus diesem Grund.

Ich kann meinen Hund nicht fragen, wie sich ein Halsband anfühlt. Ich kann jedoch, für eine Minute, seinen Platz einnehmen. Ich kann mir die Anatomy seines Halses anschauen, und wie verschiedene Halsbänder sitzen, und mich fragen, wie ich mich damit fühlen würde.

Kein Hund wurde verletzt, korrigiert oder gezogen am Halsband. In anderen Worten: die Fotos für diesen Artikel wurden gestellt.

Update vom 6. Mai 2013: Es gab eine überwältigende Anzahl von Rückmeldungen. Eine war herausragend. Jennifer Montgomery Kay schrieb:

Ich habe dieses Experiment am Samstag nachgemacht. Es gibt wirklich nichts wie das grauenhafte Gefühl des Stachlers auf meiner Luftröhre liegend. Der Moment als ich Druck auslöste? Ich dachte, ich würde sterben.

Autorin und Copyright: Yvette Van Veen, Tierverhaltensberaterin in Kanada und Kolumnistin für den Toronto Star

Originalartikel auf www.awesomedogs.ca und http://awesomedogs.wordpress.com/

Autorisierte Übersetzung: Sonja Hoegen, www.dogcom.de

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