Für Lena – Dankeschön an eine ganz besondere Gefährtin

                                                   Die mich hoffentlich noch lange begleitet

Silvia W.+Dogs (39)

Weißt Du noch?

13 Jahre ist es nun her, dass Du in mein Leben geknallt bist. Ich erinnere

mich genau an den kleinen, viel zu dünnen, sehr verängstigten Hund mit

den roten Locken. Wie Du in meinem Wohnzimmer gesessen hast, fest an

die Beine Deines Frauchens gedrückt, das Dir leider keine Sicherheit geben

konnte, weil sie mit Dir völlig überfordert war. Wie Du gejammert,

geschrien und in meine Richtung gekeift hast. Auch Du warst völlig

überfordert. Überfordert mit dem Leben und all seinen vermeintlichen

Gefahren. Wir haben uns angesehen und Dein Blick, der um Hilfe flehte,

ging mir nicht mehr aus dem Kopf.

Weißt Du noch?

Einige Wochen später trafen wir uns zufällig auf der Straße wieder. Du

lebtest bereits mal wieder in einer neuen Familie. Fünf schreiende Kinder und

eine überforderte Mutter hattest Du im Schlepptau. Wieder trafen sich

unsere Blicke und wieder sah ich Dein Flehen: Bitte hilf mir!

Weißt Du noch?

Bereits am nächsten Tag nahm ich Dich bei mir auf. Du warst schon wieder

im Tierheim gelandet und ich konnte es nicht erwarten, Dich dort

abzuholen. Es war der 3. September 2001 und es war eine der besten

Entscheidungen meines Lebens!

Lena2Ich blicke zurück auf 13 aufregende, anstrengende, manchmal sehr

verzweifelte, aber vor allem auch sehr lehrreiche Jahre. Du hast mich sehr

gefordert, Du hast mir so unglaublich viel beigebracht…

Weißt Du noch?

In den ersten Wochen warst Du so gestresst, Du kamst

nicht zur Ruhe. Wie ein Wolf im Käfig bist Du durchs Haus getrabt. Runde

um Runde, Tag für Tag, Nacht für Nacht. Wie oft musste ich Dich sanft zur

Ruhe zwingen, ich hatte Angst, Du würdest bis zur völligen, körperlichen

Erschöpfung laufen.

Weißt Du noch?

Das Jenny, Pinocchio und Dieter

bereits in den ersten drei Tagen „Löcher“ hatten? Immer hattest Du das

Gefühl es ginge um Dein Leben und immer hast Du darum gekämpft.

Weißt Du noch?

Wie wir zu Beginn unsere, zunächst nur wenige Minuten

dauernden, Spaziergänge gestaltet haben? Sicherheitsabstände von 250 –

300 Metern zu Allem was lebte und sich bewegte… Alle Distanzen darunter

führten zu Panikattacken, die Dich an den Rand des Wahnsinns trieben.

Weißt Du noch?

Wie Du mich im Zickzack und in Höllentempo durch den

Wald geschliffen hast? Weil Du alles jagen wolltest? Mäuse, Vögel,

Kaninchen, Wolken, vom Baum fallende Blätter?

Erinnerst Du Dich noch?

An den ersten Tag, an dem ich Dir ganz unschuldig Deinen ersten

Ochsenziemer gegeben habe? Danach durfte kein Lebewesen mehr das

Wohnzimmer betreten…

Ich erinnere mich:

An Deine Angst und Panik, wenn Besuch zu uns kam.

Dann hast Du wirklich um Dein Leben gekämpft. Ich konnte die Angst und

Verzweiflung in Deinen Augen sehen. Mehrere Jahre vereinsamte ich, aus

Rücksicht auf Dich.

Ich erinnere mich:

An Tage voller Hoffnungslosigkeit.

An Tage voller verzweifelter Tränen, oft wußte ich nicht, ob ich Dir, den mit

uns lebenden Hunden und auch mir, dieses Leben wirklich zumuten durfte.

An diesen Tagen rief ich mir immer wieder die kleinen, glücklichen

Momente in Deinem und meinem Leben ins Gedächtnis.

Ich erinnere mich:

An Situationen, in denen Du Dich zum ersten Mal vertrauensvoll an

mich gedrückt hast. An die ersten Abende an denen Du zu mir auf die

Couch geklettert bist, einfach nur, um neben mir, in meiner Nähe zu liegen.

An die ersten Spielansätze, die Du mir gegenüber gezeigt hast. An den

Tag, an dem ich Dir zum ersten Mal ganz vorsichtig und sanft die wilden,

roten Locken bürsten durfte. An Deine hoffnungsvoll fragenden Augen:

„Wir bleiben doch jetzt zusammen, oder?“.

Und ich erinnere mich:

An das Glücksgefühl, das mich in diesen Momenten durchströmte!

Weißt Du noch?

Wie viel Spaß wir auf unseren einsamen Spaziergängen

hatten? Wie Du gerannt bist, Deine verrückten 5 Minuten Runden gedreht

hast? In dieser Zeit warst Du selten mit allen 4 Pfoten auf dem Boden.

Lenalandet

Wie viel Freude es gemacht hat, mitten im Feld auf einer Wiese zu sitzen, die

Sonne zu genießen und einfach eine schöne, gemeinsame Zeit zu

verbringen?

Weißt Du noch?

Wie viel Spass wir bei unserem Fotoshooting

hatten? Wie stolz ich auf Dich war? Nur wenige Zentimeter vor Deinem

Gesicht das Gesicht der Fotografin und die Kamera?

Silvia W.+Dogs (30)

Im Laufe der Jahre sind wir zusammen reifer und weiser geworden. Du

fühltest Dich immer sicherer, wurdest immer ruhiger. Irgendwann konnten

wir wieder Besuch empfangen, auch heute ist das noch etwas ganz

spannendes für Dich, aber Du hast gelernt Dich zurückzuziehen, wenn es

Dir zu viel wird. Mit Deinesgleichen hast Du eine Geduld entwickelt die

niemand für möglich gehalten hätte. So mancher Jungspund in unserer

Familie kann auf Deine Erziehung zurück blicken. Mit Dir sind sie sehr gut

aufgewachsen und heute noch hast Du „Deine Jungs“ gut im Blick und im

Griff. Deine geduldige, aber klare und konsequente Art verschafft Dir den

Respekt, den Du verdient hast.

Unbenannt

Deine Mahlzeiten nimmst Du mit einer Ruhe und Selbstverständlichkeit ein

– nichts ist mehr zu sehen von Deiner Angst, das Essen zu verlieren. Im

Gegenteil: Heute muss ich darauf achten, dass Du in Deiner grenzenlosen

Geduld, Dir den Ochsenziemer nicht von dreisten Labradoren aus dem Fang

nehmen lässt…

Gemeinsam bewältigten wir so manchen Sturm in unserem Leben. Sind

füreinander da. Durch Dich habe ich gelernt, was das Wort Geduld wirklich

bedeutet. Ich habe gelernt, dass alles seine Zeit braucht, Jahre waren nötig

um ein recht „normales“ Leben mit Dir führen zu können. Du hast mir

gezeigt, dass man niemals aufgeben darf, dass es sich lohnt für etwas, oder

jemanden zu kämpfen. Du hast mich gelehrt, was „Ruhe“ wirklich ist, wie

wichtig es ist immer wieder zur Ruhe zu kommen. Wie unglaublich wichtig

es ist, sich selbst zurück zu nehmen, auch mal Fünfe gerade sein zu lassen,

zu entspannen, zu schlendern, die Umwelt und Natur in all ihren

„Kleinigkeiten“ wieder wahrzunehmen und zu genießen – all das hast Du

mir in den letzten Jahren beigebracht. Du bist mein Spiegel – will ich

wissen, wie es mir geht, reicht ein Blick auf Dich. Das Band, das uns

verbindet ist stark, aus gegenseitigem Respekt und aus vollstem Vertrauen

geflochten. Wir sehen uns an und verstehen uns, Du bist da wo ich bin –

ich bin da wo Du bist. Selbst dann, wenn wir voneinander getrennt sind.

Ich liebe Dein glückliches, immer noch sehr jugendliches Grinsen und freue

mich über jeden Moment in dem ich es sehen kann.

Lena09Wasser

Und immer noch genießen wir es, mitten im Feld in der Sonne zu sitzen,

einfach eine schöne Zeit zusammen zu verbringen. Gemeinsam sind wir

gelassener geworden, sind nicht mehr so impulsiv. Haben gelernt das

Leben zu genießen, wissen was Verlässlichkeit bedeutet und Vertrauen zu

haben.                                                      Vertrauen ins Leben…

Silvia W.+Dogs (1)

Ich glaube, Deinen größten Wunsch zu kennen. Ich werde alles daran setzen, ihn Dir zu erfüllen!

                                          Danke Lena – die beste Lehrmeisterin, die ich treffen konnte.

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Silvia Weber

http://www.bestfriends-bochum.de

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