Schuldig oder nicht schuldig?

Wenn ich nach Hause komme und den Inhalt meines Mülleimers über den ganzen Raum verteilt vorfinde, hat mein Hund dann ein schlechtes Gewissen?

Foto: Katrin Bargheer

Der ältere und erfahrenere Collie fühlt sich aufgrund der Aufregung, als der Hundebesitzer den Raum betritt, nicht wohl. Ohren leicht angelegt, niedrige Kopfhaltung, Kopf abgewandt vom Hundebesitzer, der die Kamera auf das Geschehene richtet, Körper in T-Stellung zum anderen Hund und der Blick leicht verengt … Das ist SEHR viel Körpersprache und viele Menschen würden sagen, der Hund sieht schuldig aus. Dennoch, dieser Hund war nicht der Zerstörer – es war der Welpe im Vordergrund, der völlig mit sich selbst beschäftigt zu sein scheint …

Eine Frage, die sehr oft gestellt wird. Die Antwort ist „Nein, hat er nicht!“ Ein Hund kann (sein) Verhalten nicht als eine ‚Tat‘ erfassen, geschweige denn als ‚eine böse Tat‘.

Hier ein paar treffende Zitate zu dem Thema aus dem Buch der Wissenschaftlerin Alexandra Horowitz, ‚Was denkt der Hund? Wie er die Welt wahrnimmt und uns‘ (Verlag: Springer Spektrum):

„Das deutet darauf hin, dass der Hund nicht die Handlung, sondern den Besitzer mit einer drohenden Zurechtweisung assoziiert. Was geht hier vor sich? Der Hund erwartet eine Bestrafung im Zusammenhang mit bestimmten Objekten oder sobald der Besitzer kleinste Anzeichen von Ärger zeigt“ (Seite 285, 2. Absatz, Kapitel „Braver Hund (Richtiges und Falsches)“).

„Der schuldbewusste Blick ähnelt sehr dem furchtsamen Blick und Unterwürfigkeitsgesten. Dabei überrascht es nicht, dass viele Hundebesitzer erfolglos versuchen einen Hund für falsches Verhalten zu bestrafen. Eines versteht der Hund jedenfalls – nämlich, dass eine Strafe ansteht, wenn der Besitzer mit verärgerter Mine auftaucht“ (Seite 286, 2. Absatz, Kapitel „Braver Hund (Richtiges und Falsches)“.

Ist das nicht traurig?

Der Hund ist verwirrt und wird möglicherweise beschimpft oder noch härter bestraft, für etwas, was er gar nicht verstehen kann. Das wiederum verursacht psychischen Stress und nimmt ihm das Vertrauen in seinen Besitzer.

Das langsame Weg – „schleichen“oder das „verschlagene“ Weg-Drehen des Kopfes sind keine Zeichen für Schuldgefühle oder Hinterlistigkeit, anders als vielleicht bei Menschen, wenn sie ein schlechtes Gewissen haben. Tatsächlich schleicht der Hund nicht, noch ist er verschlagen.

Vielmehr bedeutet die Verlangsamung der Bewegungen und das Wegdrehen des Blicks oder Kopfes den Versuch des Hundes, uns zu besänftigen. Der Hund fühlt sich eingeschüchtert und setzt beschwichtigende Signale ein, um uns zu beruhigen.

Strafe wird einem Hund nie helfen zu verstehen, was wir von ihm wollen. Anstatt dem Hund zu sagen, was er n i c h t soll, ist es viel besser, ihm eine Alternative anzubieten.

Was können wir, die wir unsere Hunde lieben, daraus lernen?

– Dass unsere Hunde ein glücklicheres Leben leben, wenn wir ihre Körpersprache verstehen.

– Wir können unsere Hunde nur dann fair behandeln, wenn wir wissen, was unsere Hunde imstande sind, zu verstehen.

– Wenn wir die Signale und Kommunikation unseres Hundes verstehen und angemessen darauf reagieren, wird er uns erzählen, wie er diverse Situationen erlebt, ob er sich wohl oder aber sich überfordert fühlt.

– Wenn wir darauf eingehen und ihn unterstützen, wird er uns trauen.

– Wir können uns entschließen, das Verhalten der Hunde nicht vorschnell nach menschlichen Maßstäben (fehl-) zu interpretieren. Es kann sein, dass bestimmte Körpersignale eine andere Bedeutung in deren Kultur haben, als in unserer.

Autorin: Rosee Riggs, Team Friendship for Dogs / Foto: Katrin Bargheer, Team Friendship for Dogs

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