„Nur“ ein Familienhund?

Ein gut erzogener Allrounder sollte er sein.

Sich im Wald und auf der Heide genauso gut benehmen wie in der Einkaufsstraße und im Restaurant…vielleicht sogar beim Spaßturnier im Nachbardorf brillieren??!!

Katrin4Auch beim Dogdance, Flyball, Agility darf er seine Talente beweisen und seine Menschen auf keinen Fall blamieren.

Jeden Morgen soll er dann ganz entspannt und ausgeglichen die Kinder mit zur Schule begleiten, egal wie laut und hektisch es um ihn herum zugeht – immer schön cool bleiben bitte!!

Völlig stoisch die: „Oh ist der niedlich“ mit den dazu gehörigen Ohrentätschlern über sich ergehen lassen. Den wild an der Leine kläffenden Artgenossen auf der anderen Straßenseite bitte ignorieren. Falls es ihn doch mal zu sehr ängstigt, bitte sich nicht losreißen, sondern lieber stocksteif abwarten bis die im günstigsten Fall VerbalAttacke vorüber ist.

Es versteht sich von selbst, dass er im alltäglichen Umgang problemlos ist.

Egal ob er lange Wartezeiten alleine im Auto verbringt oder die ersten Pflegeversuche der Kinder über sich ergehen lässt, wenn anschließend von ihm SitzPlatzFuss gefordert wird, hat er zu funktionieren.

Und kosten darf er auch nicht so viel, schließlich ist er ja nur ein Familienhund.

An einen Familienhund werden heutzutage so hohe Erwartungen gestellt, die einem „Diensthund“ selten zugemutet werden.

Ein Jagdhund geht jagen und ein Rettungshund retten, ob sie dabei ihren Alltag gut bestehen können, spielt nicht wirklich eine große Rolle, denn Spitzensportler dürfen Macken haben, die man bei einem Familienhund niemals akzeptieren würde.

Da stehen gleich zig Experten mit den verschiedensten Methoden “Gewehr bei Fuß“ um das Übel gleich im Keim zu ersticken. Jede noch so verrückte Methode oder sinnentleerte Hilfsmittel, die einem schon der gesunde Menschenverstand verbietet, werden ausprobiert, ohne auch nur einmal kritisch nach Sinn oder Unsinn zu fragen.

Die wenigsten fragen mal: Was haben wir als Menschen eigentlich dem Hund zu bieten??katrin6

Ausgeglichenes Gemüt?

Achtsamkeit auf die wahren Bedürfnisse des Hundes?

Sanftmut, Geduld und liebevolle Anleitung?

Zeit?

Schutz?

Ist der Mensch ein kompetenter, einfühlsamer Hundeführer?
Jemand, der so leicht und leise wie möglich dem Hund hilft gute Entscheidungen zu treffen, seine Lebensfreude erhält und ihn gut auf seinen Alltag vorbereitet?

Ein mit Hundeverstand gesegneter und Fachwissen gespickter Ruhepol, auf den sich der Hund in jeder Situation verlassen kann?

Leider sieht die Realität oft ganz anders aus:

Man trifft an der Leine zerrende und Befehle erteilende Zweibeiner mit zu Befehlsempfängern degradierten Vierbeinern, die sich nicht trauen überhaupt eine Entscheidung zu treffen, aber auch die Unwissenden und/oder Hilflosen, die ihrem geliebten Hund durch klassisches Nichtverhalten mehr Schaden zufügen als Gutes tun.

Die Wahrheit liegt wohl irgendwo dazwischen.

Glücklicherweise gibt es auch sehr gute Familienhundehalter.katrin5

Menschen, die viel Wert auf gute Erziehung legen und stets bemüht sind, ihr eigenes Verhalten auf Richtigkeit und Fairness zu überprüfen und so für das Wohlbefinden ihres Hundes sorgen.

Gott sei Dank!!

Trotzdem habe ich die große Bitte, das „nur“ vor dem Begriff Familienhund endgültig zu streichen,

denn diese Hunde – oder gerade diese Hunde haben ein Recht auf liebevolle Anleitung und Beachtung ihrer Rechte und Bedürfnisse, da sie durch unseren schnelllebigen Alltag einem hohen Maß an Stress und Belastung ausgesetzt sind.

Autorin: Katrin Bargheer, Team Friendship for Dogs

Angelehnt an Michael Geitner „‚Nur‘ ein Freizeitpferd“ (gelesen in facebook)

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