Hundebesitzer im Katastrophenalarm?

Vor ein paar Wochen fiel mein Blick auf den Titel „Eltern im Katastrophenalarm schaden der Psyche ihrer Kinder“. Mir geht der Titel einfach nicht aus dem Kopf und ich möchte heute die Zeit nutzen, mir ein wenig darüber Gedanken zu machen.

Im Artikel geht es hauptsächlich darum, dass Eltern ihren Kindern keine emotionale Sicherheit geben können. Sie selbst sind orientierungslos, ihnen fehlt die Anerkennung und eigene Sicherheit. Eltern, Menschen überhaupt, sind oft überfordert, durch Unsicherheiten, was den Arbeitsplatz betrifft, durch Unsicherheiten, was mit der Zukunft, der Rente wird und letztendlich durch den schnellen Wechsel von analog auf digital. Die Zeit läuft davon. Das führt zu überforderten und gestressten Eltern, die selbst wenig Ruhe in sich tragen. Ihre Unruhe überträgt sich – wenn auch oft ungewollt – auf die Kinder.

Vieles von dem, was ich gelesen habe, können wir Hundetrainer auch in den Beziehungen zwischen Mensch und Hund beobachten. Ich beobachte, dass es immer mehr unruhige Hunde gibt – ja sogar taucht in letzter Zeit der Begriff „ADS-Hund“ in der Hundeszene auf. Hunde haben Zivilisationskrankheiten, die sich auf übermäßigen Stress zurückführen lassen.

Und Hundebesitzer sind im Katastrophenalarm. Vielen Hundebesitzern fällt es schwer in sich zu ruhen, was für die Hunde als gute Basis zum ruhigen Lernen einfach immens wichtig ist. Beunruhigt sich ein Hund über irgendetwas da draußen in der Welt (ein zu schnelles Auto, sich nähernde laute Kinder, ein raschelndes Gebüsch,…), brauchte er einen Hundebesitzer, der Gelassenheit ausstrahlt, der ihm vermittelt, dass alles okay ist. Ein Hundebesitzer im Katastrophenalarm reagiert über, ist genervt und macht alles nur noch schlimmer.

Was kann man tun?

Erst einmal feststellen, ob man im Katastrophenalarm ist. Oft rattert der Kopf schon beim Aufstehen. „Daran ist noch zu denken und daran…“. Und dann sich damit auseinandersetzen, was man selbst machen kann, wie z.B. mehr Sport, Entspannungsübungen, Meditationen etc. Einfach mal etwas für sich tun…

Sich üben in Ruhe-bewahren und im Gelassen-bleiben.

Nachdem man überhaupt erkannt hat, dass man selbst im Katastrophenalarm ist (was am Anfang gar nicht so leicht ist), ist es wichtig, sich neben der allgemeinen Entspannung ein paar kleine Hilfsmittel anzueignen, um selbst ruhiger zu werden. Hier ein paar hilfreiche Methoden:

  • Bis Zehn zählen
  • Durchatmen – bewusst in den Bauch oder in die Schultern zur Entspannung atmen
  • Sich von der Situation abwenden, durchatmen, klaren Kopf bekommen und erst dann besonnen reagieren
  • Klopftechnik an Entspannungspunkten
  • Einen Handschmeichler-Stein zur Beruhigung in die Hand nehmen
  • Sich selbst beschwichtigen (Gähnen, Abwenden, Zurückbeugen, Umdrehen)

Wichtig ist, dass dies nicht gleich im größten Stressmoment geübt wird. Auch der Mensch muss – ebenso wie Hunde – neues Verhalten erst ohne und dann mit immer mehr Ablenkung einüben. Also sich sozusagen selbst auf ein neues Entspannungsverhalten konditionieren.

Erst wenn der Mensch in der Lage ist in für den Hund belastenden Situationen innerlich die Ruhe zu bewahren, ist es möglich, dass sich diese Ruhe auf den Hund überträgt und nicht noch mehr Aufregung entsteht.

Autor: Bettina Almberger, http://www.mentiko.de
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